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DAS BUCH


Das Cover ist urheberrechtlich geschützt!

ISBN 978-3937820-16-3
296 Seiten, gebunden, Hardcover
mit 37 schwarz/weiß Abbildungen
sowie separater Bildteil mit 16 Fotos
Preis: 19,80 Euro



Klappentext

Mehr als sechs Jahre haben Jürgen P. Fuß und seine Frau in der Türkei gelebt und dabei Land und Leute kennen gelernt. Im April 2004 gründeten sie die erste deutschsprachige Wochenzeitung für die Türkei. In insgesamt 222 Ausgaben berichtete die "Aktuelle Türkei Rundschau" über die Türkei und kommentierte die politischen Ereignisse. Als Herausgeber und Chefredakteure konnten Fuß und seine Frau hautnah miterleben, wie Recep Tayyip Erdogan den Einfluss der islamisch-konservativen AKP (deutsch: Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung) immer weiter festigte. Gleichzeitig gelang es Erdogan, seine Machtposition innerhalb und außerhalb der Partei so stark auszubauen, dass er mit einigen ihm treu ergebenen Weggefährten mittlerweile alle Fäden des türkischen Staates in der Hand hält.

Jürgen P. Fuß liefert mit "Erdogan – ein Meister der Täuschung" eine umfassende Biografie des türkischen Machtpolitikers und eine entlarvende Analyse seiner politischen Aktivitäten als Parteivorsitzender der AKP und Ministerpräsident der Türkei.

Bereits 1998 wurde der frühere Istanbuler Bürgermeister Erdogan wegen öffentlichen Zitierens der folgenden Verse zu einer Gefängnisstrafe verurteilt: "Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Minarette sind unsere Bajonette... die Moscheen sind unsere Kasernen."

Erst nach einer Verfassungsänderung konnte Erdogan für das türkische Parlament kandidieren und am 11. März 2003 Ministerpräsident werden. Seit dieser Zeit beherrscht Erdogan die hohe Kunst des Verstellens, Verschleierns und Täuschens als erfolgreiche Methode eines schleichenden Machterwerbs. Fuß’ faktenreiche und auf intimer Kenntnis der türkischen Verhältnisse basierende Arbeit zeigt: Erdogan, der aus der radikal-islamischen und autoritären Milli Görüs-Bewegung Erbakans kommt, strebt für die Türkei eine Führungsrolle in Europa, Vorderasien und im Nahen Osten an. Und der Islam soll die alle Lebensbereiche beherrschende Religion werden. Für Fuß gibt es deshalb nur eine zwingende politische Schlußfolgerung: Die Türkei darf nicht Mitglied im europäischen Staatenverbund werden.

Zum Autor

Jürgen P. Fuß, geboren 1946, studierte Elektrotechnik, Abschluß als Diplom-Ingenieur. Von 1979 bis 2009 Dozent für Betriebswirtschaft an einer Fachhochschule. Herausgeber und Chefredakteur der einzigen deutschsprachigen Wochenzeitung in der Türkei in den Jahren 2004 bis 2009.

Im Februar 2009 verließen Jürgen P. Fuß und seine Frau die Türkei, weil sie nicht länger in einem Land leben wollten, das Recep Tayyip Erdogan nach seinen islamisch-konservativen Vorstellungen umbaut. Hinzu kam, dass das Risiko, ins Visier der Polizei oder der Justiz zu geraten, für die Herausgeber und Chefredakteure der "Aktuellen Türkei Rundschau" immer größer wurde. Eine verantwortungsvolle journalistische Arbeit war nicht mehr möglich. Mittlerweile leben sie an verschiedenen Orten in Europa.

Inhaltsverzeichnis (Auszug)

1 Recep Tayyip Erdogan (Kindheit, Jugend, Lehrmeister)

2 Erdogans Weg zur Macht (1994 bis 2002)

3 Erdogan weckt hohe Erwartungen (2003 bis 2010)

4 Erdogans wahre Pläne(ab 2008)

5 Resümme: Was Europa von der Türkei wirklich zu erwarten hat

Literaturverzeichnis (siehe PDF-Datei)

Hinweis: Wie im Buch versprochen, können Sie sich hier bequem und einfach die Literaturhinweise durch "kopieren" und "einfügen" heraus ziehen und so im Internet nach der Quelle suchen.

Verzeichnis der Bilder und Tabellen (siehe PDF-Datei)

   

LESEPROBE III

Auszug aus Kapitel 4.2.5
Erdogan auf den Weg zum zweiten Atatürk?
Erdogans Gedanken

Darf ich Sie einladen, gemeinsam mit mir Erdogans Gedanken zu erschließen?

Das Amt des türkischen Staatspräsidenten ist in der Türkei - wie auch in anderen Staaten - sehr hoch angesehen.

Der Nachteil der bisherigen Form bestand allerdings darin, dass der Amtsinhaber relativ wenig Gestaltungs- und Entscheidungsmöglichkeiten hat. Hier sind die Amtsinhaber in den USA und in Frankreich wesentlich besser gestellt. Deren Machtbefugnisse sollten deshalb auch für den türkischen Staatspräsidenten in Zukunft gelten.



Sowohl in den USA als auch in Frankreich werden die Präsidenten mittelbar (USA) bzw. unmittelbar (Frankreich) vom Volk gewählt. Ein Präsidentschaftskandidat mit charismatischer Ausstrahlung hat deshalb große Chancen, die notwendige Mehrheit in einer Wahl zu erreichen. Dabei ist er weitgehend unabhängig vom Ansehen der Partei, der er angehört. Außerdem verträgt sich dieses Wahlverfahren sehr gut mit der türkischen Vorstellung, dass ein Staatspräsident über den Parteien stehen soll - im Sinne von unparteiisch.

2007 wurde der Staatspräsident noch nach dem alten Wahlverfahren gewählt. Dies bedeutete zum einen die Wahl durch das Parlament und zum anderen eine einmalige Wahl für die Dauer von sieben Jahren.

Im Jahre 2007 trat Erdogan nicht für das Amt des Staatspräsidenten an, weil er um die Widerstände wusste, die ihn erwarteten. Doch es fiel Erdogan relativ leicht, den Verzicht zu verschmerzen, wenn er folgende Rechnung aufmachte: Die nächste Wahl für einen Staatspräsidenten ist regulär im Jahre 2014. Erdogan ist zu diesem Zeitpunkt bereits 11 Jahre Ministerpräsident und hat bis dahin ausreichend Zeit, sein positives Bild im türkischen Volk weiter zu festigen.

Bis zum Jahre 2014 können die gesetzlichen Änderungen durchgesetzt werden, die dem Staatspräsidenten eine Machtfülle verschaffen, wie sie in den USA und in Frankreich gegeben sind und Erdogans Vorstellungen entsprechen.

2014 tritt Erdogan erstmals als Präsidentschaftskandidat auf. Ungeachtet dessen, wie sich die Meinung des türkischen Volkes zur AKP zu diesem Zeitpunkt darstellt, darf er davon ausgehen, dass sein charismatisches Auftreten so tiefe Spuren im Volk hinterlassen hat, dass kein anderer Kandidat mehr Stimmen auf sich wird vereinigen können. Er wird sich als der Präsident darstellen, der der Türkei in der ganzen Welt zu neuem Ansehen verholfen hat. Damit deckt der das Bedürfnis der türkischen Bevölkerung nach ausgeprägtem Nationalstolz. (Wem diese Aussage überzogenen scheint, möge sich den Wortlaut der Reden in Köln (2008), Istanbul (2010) und Düsseldorf (2011) genau anschauen.)

2019 hat Erdogan zum zweiten Mal die Chance, als Präsidentschaftskandidat anzutreten. Denn die Möglichkeit einer einmaligen Wiederwahl war rechtzeitig 2007 geschaffen worden. Dieses Mal geht Erdogan mit noch größeren Chancen in die Wahl, weil er dieses Amt bereits fünf Jahre inne gehabt hat. Welcher Kandidat sollte ihm da noch das Wasser reichen können?

2023 besteht die Türkische Republik 100 Jahre. An ihrer Spitze steht der Staatspräsident, der 20 Jahre zuvor (im Jahre 2003) die Macht in der Türkei übernommen und Schritt für Schritt das Militär in seine Schranken gewiesen hatte. Zum 100. Geburtstag der Türkischen Republik steht Erdogan als Staatspräsident und damit Repräsentant der Türkei an der Spitze aller Feierlichkeiten - national und international.

Erdogan ist mittlerweile 70 Jahre alt und hat alles - nein! weit mehr - als alle türkischen Politiker vor ihm seit Atatürk erreicht.

Recep Tayyip Erdogan, der Junge aus dem Armenviertel von Istanbul, der 1998 mit einem lebenslangen Politikverbot belegt wurde, für den nach einem fulminanten Wahlergebnis der AKP im Jahr 2002 die Verfassung so geändert wurde, dass das Politikverbot aufgehoben und er in einer Nachwahl in die türkische Nationalversammlung einziehen konnte, steht an der Spitze der großen Türkischen Republik, die ihren 100. Geburtstag feiert. Recep Tayyip Erdogan ist ausgestattet mit einer Machtfülle, bei der man nicht mehr genau sagen kann, ob die türkische Demokratie oder die Stimme des Staatspräsidenten mehr Gewicht hat.

Erdogan lehnt sich zurück. Für ihn gibt es auf die Antwort zu unserer 2. Frage keine Zweifel.

Sind Erdogans Pläne mit denen Atatürks vergleichbar?

Erdogans Antwort kann nur lauten: „Atatürk hat die Türkische Republik gegründet. Ich aber habe dieser Republik weltweites Ansehen verschafft!“